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Boxen: Titel, Geld und Vermarktung

Simon Zachenhuber: So viel verdient der Box-Star wirklich – und warum sein Vermögen fast bei null liegt

Simon Zachenhuber hat sich vom Quereinsteiger ohne Amateurkampf bis zu einem internationalen Titelträger im Profiboxen entwickelt. Sportlich geht es für den Supermittelgewichtler voran – finanziell beschreibt er seine Lage dagegen weiterhin als eng: Nach eigenen Angaben reichten seine Einnahmen zuletzt gerade, um die laufenden Kosten zu decken. Er sagt, er habe keine Ersparnisse.

Karriere und aktueller Promoterwechsel

Der Boxer aus Erding steht für einen ungewöhnlichen Weg. Seit dem Wechsel ins Profilager 2018 arbeitet er sich Schritt für Schritt nach oben. Mit der Juniorenweltmeisterschaft 2022 und dem WBC-International-Titel 2023 setzte er sportliche Ausrufezeichen. Ende 2025 folgte dann ein Einschnitt abseits des Rings: Zachenhuber trennte sich von Promoter P2M und Manager Klaus Kärcher. Ab 2026 steht er bei Goldensport Promotion unter Vertrag, geführt von Promoter Spencer Brown – ein Wechsel, der sportliche Perspektive und Vermarktung enger miteinander verzahnen soll.

Vom vielseitigen Nachwuchssportler zum Profi ohne Amateurkarriere

Zachenhuber wurde am 6. Juni 1998 in Erding im Norden von München geboren. Vier Wochen nach seiner Geburt verunglückte sein Vater bei einem Sportunfall und ist seitdem schwerbehindert. Zachenhuber hat eine ältere und eine jüngere Schwester; 2004 kam seine Schwester Amelie zur Welt, die später als großes Schwimmtalent galt. Ebenfalls seit 2004 betreibt die Familie in Erding eine eigene Schwimmschule, die auch „Babydelphinchen“ genannt wird. Dieses familiäre Umfeld und die frühe Prägung durch Sport ziehen sich als Konstante durch seine Biografie.

Sein eigener Weg beginnt nicht im Boxring. Mit fünf Jahren startete er im Schwimmen, mit zwölf Jahren kam Kickboxen dazu. Zwischen dem zehnten und siebzehnten Lebensjahr betrieb er außerdem Biathle und Fünfkampf; zu seinen besten Platzierungen zählen die deutsche Vizemeisterschaft 2009 sowie Platz drei bei der Deutschen Meisterschaft 2014. In verschiedenen Phasen spielte zudem Eitting, ein Ort in der Nähe von Erding, eine wichtige Rolle – dort lagen zeitweise Trainingsort und Wohnsitz.

Der entscheidende Schritt folgte mit 19 Jahren: Zachenhuber wechselte ohne einen einzigen Amateurboxkampf direkt zu den Profis. Seit Januar 2018 trainiert er bei Conny Mittermeier in Stuttgart; dort lebt er seitdem. Sein Profidebüt gab er am 18. Mai 2018 in Potsdam bei Sauerland Event.

Dieser direkte Einstieg macht seinen Werdegang im deutschen Boxen besonders: Zachenhuber musste sich Technik, Ringroutine und das taktische Handwerk unter Profibedingungen erarbeiten – ohne das übliche „Sicherheitsnetz“ einer langen Amateurkarriere. Der Spitzname „Der Matador“ begleitet ihn dabei: Ursprünglich stammt er aus seinem Auftritt im Paso Doble bei „Let’s Dance“, Fans und Medien übertrugen ihn später auf seine Boxkarriere.

Titel, Rankings und Bedeutung des WBC-Gürtels

Sportlich setzte Zachenhuber in den vergangenen Jahren mehrere belastbare Zwischenstationen.

  • 22. Januar 2022: Juniorenweltmeisterschaft im Mittelgewicht gegen Maurice Morio
  • 2023: WBC-International-Titel im Supermittelgewicht
  • Juli 2025: Sieg gegen Paulinus Ndjolonimu nach Punkten

Dieser Gürtel ist im WBC-System eine internationale bzw. regionale Stufe unterhalb eines regulären Weltmeistertitels. Für Boxer kann er vor allem strategisch wichtig sein: Er erhöht die Sichtbarkeit im Verband, verbessert die Ausgangsposition für Rankings und kann damit die Tür zu größeren Kämpfen öffnen. In Zachenhubers Laufbahn passt der Titel genau in dieses Muster: kein Endpunkt, sondern ein Hebel, um sich näher an eine Weltmeisterchance heranzuarbeiten.

Im Juli 2025 besiegte er zudem den Namibier Paulinus Ndjolonimu in einem engen Kampf nach Punkten. Der Sieg half ihm, sich in internationalen Ranglisten weiter zu verbessern und sich stärker in Richtung WM-Kampf zu empfehlen. Der Eindruck: Zachenhuber baut seinen Aufstieg nicht über kurzfristige Aufmerksamkeit, sondern über Gürtel, Gegner und nachvollziehbare Schritte.

Finanzielle Lage und Verdienst

Trotz der sportlichen Entwicklung bleibt die wirtschaftliche Seite nach Zachenhubers eigener Darstellung überschaubar. Sein Einkommen ist variabel und hängt von Kämpfen und Sponsoren ab. Als Richtwert wird für einen Profiboxer seines Zuschnitts eine Spanne von etwa 60.000 bis 100.000 Euro pro Jahr genannt – allerdings ist das im Boxgeschäft keine klassische, planbare Jahresvergütung, sondern das Ergebnis aus:

  • Kampfbörsen
  • Prämien
  • Sponsoring
  • Vermarktung

Genau diese Kostenstruktur ist der Kern des Problems, das Zachenhuber beschreibt: Trainingslager, Trainer- und Teamhonorare, Reisen, medizinische Betreuung und das tägliche Profi-Setup fressen einen erheblichen Teil dessen auf, was auf dem Papier nach gutem Einkommen aussieht.

  • Trainingslager
  • Trainer- und Teamhonorare
  • Reisen
  • medizinische Betreuung
  • tägliches Profi-Setup

Zachenhuber formuliert es selbst deutlich: „Boxen ist seit acht Jahren mein Beruf. Bisher hat das, was ich verdient habe, gerade gereicht, um die Kosten zu decken und im Leben einigermaßen über die Runden zu kommen. Ich habe keine Ersparnisse.“ Und er setzt nach, wie stark die finanzielle Entwicklung aus seiner Sicht an Professionalisierung außerhalb des Rings hängt: „Mit der richtigen Vermarktung der Kämpfe, bei den Sponsoren, in der Werbung und den sozialen Medien könnte ich schon Millionär sein.“

Zusätzliche Einnahmequelle: Teilnahme an „Let’s Dance“

Ein zusätzlicher Einnahmebaustein war 2021 seine Teilnahme an der 14. Staffel von „Let’s Dance“. Mit der Profitänzerin Patricija Belosouva erreichte er das Halbfinale und belegte Platz vier; für die Teilnahme soll er 30.000 Euro erhalten haben. Öffentlich blieb er damit präsent – eine Sichtbarkeit, die im Boxen zwar helfen kann, die aber nicht automatisch stabile sportliche Top-Börsen ersetzt, wenn die Kampfanbahnung und Sponsorenstruktur nicht Schritt halten.

Ausblick und Promoterwechsel

So steht Zachenhubers Karriere derzeit für zwei parallele Kurven: Im Ring wächst seine internationale Relevanz, wirtschaftlich beschreibt er den Ertrag als zu klein, um Rücklagen zu bilden. Der Promoterwechsel ab 2026 ist deshalb nicht nur die nächste sportliche Weichenstellung – er ist vor allem der Versuch, den sportlichen Wert endlich in finanzielle Stabilität zu übersetzen.

Häufig gestellte Fragen

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